Malprozesse

Übermalungen, Malaktionen, Malprozesse

Walter Stöhrer hat wiederholt in der Öffentlichkeit in Form von Malaktionen und Malprozessen gearbeitet.

Stuttgart, Württembergischer Kunstverein Stuttgart, Schlachtet den Vater. Übermalung von vier Tableaus mit Vorzeichnungen von HAP Grieshaber, März 1969

Walter Stöhrers erste öffentliche Malaktion fand im Kuppelsaal des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart statt. Im Zusammenhang mit der Jubiläumsausstellung zum 60. Geburtstag von HAP Grieshaber zeichnete dieser auf eine insgesamt 25 Meter Papierbahn grobe Umrissfiguration, auf die Stöhrer malerisch reagieren sollte. Der Titel der Aktion „Schlachtet den Vater“ geht auf Grieshabers Idee zurück, seine Kohlevorzeichnungen, also die des „Vaters“ von einem „Künstler-Sohn schlachten“ zu lassen, (s. dazu Werkübersicht Malerei 1963-1969). Stöhrer ergänzte und arbeitete die angelegten Kohlezeichnungen mit  Acryl, Gouache und  Ölfarbstiften weiter. „Auffällig ist die Kontrolle, die Stöhrer gerade in diesem öffentlichen Malprozess über das Bildgeschehen behält. Die in vier Abschnitte geteilte Gesamtbahn, weist ebenso das Herauswachsen von Gliedmaßen auf, das Verwandeln von Figur in Figuration wie auch die malerische Kunst-über-Kunst-Diskussion geschlossener und transparenter Bereiche – bis hin zum bewussten „Stehen lassen“ des Malgrundes, hier also auch Grieshabers Anrissfiguren Das Prozesshafte der Malerei, das Stöhrer später zum öffentlichen Thema machen wird, ist hier erstmals unmittelbarer und notwendiger Teil der Bildentwicklung.“(Nikolai B. Forstbauer, in: Walter Stöhrer. Werkverzeichnis Malerei, Berlin 2008, S. 151).

Frankfurt am Main, Frankfurter Kunstverein, Steinernes Haus am Römerberg, Walter Stöhrer. „Malaktion“, 27.5.1975

Der Verbleib der Arbeiten dieser Malaktion ist nicht bekannt.

Stöhrer und Freiwillige aus dem Publikum arbeiteten gemeinsam an bereit gestellten Bildträgern, wobei zunächst sowohl Stöhrer als auch das Publikum getrennt an den Leinwänden arbeiteten. Dann wurde die von Stöhrer bearbeitete Leinwand dem Publikum zur Weiterarbeit übergeben, wogegen  Stöhrer auf eine vom Publikum bearbeitete Leinwand malerisch reagierte.  Abschließend koordinierte Walter Stöhrer durch weitere Bearbeitung diese beiden Bilder zu einem Diptychon. Die weiteren  Bildträger waren nur zum Malen für das Publikum bestimmt. An diesen Arbeiten nahm Stöhrer keine malerischen Eingriffe vor.

Berlin, Galerie Nothelfer im Kudamm-Karrée,  „Die Geschichte des Auges“ Performance Dieter Appelt / Malaktion   Walter Stöhrer, 15.1.1977

Tübingen, Eberhard-Karls-Universität, Malprozeß im Rahmen der Begleitveranstaltungen anlässlich der 500-Jahr-Feier der Eberhard-Karls-Universität, November 1977

Rottweil, Forum Kunst, Walter Stöhrer. Malaktion, 29.11.-13.12.1980

Nordhorn, Städtische Galerie Nordhorn, Walter Stöhrer. Malprozeß. Zu den Fragmenten des Empedokles, 19.2.-12.3.1982

Kißlegg/Allgäu, in Kooperation mit der Schloßhofgalerie Ewald Schrade, W. Stöhrer. Malprozeß. Hommage à Frank O'Hara, Mai 1983

Ehingen/Donau, Galerie Schloß Mochental, Ewald und Dorothea Schrade, Walter Stöhrer. Malprozeß zu Texten von Wolf Wondratschek, August 1986