Walter Stöhrer (1937 – 2000)

Walter StöhrerWalter Stöhrer wurde 1937 in Stuttgart geboren. Nach seiner Schulzeit und einer dreijährigen Lehre als Werbegrafiker in Karlsruhe, die er mit der Gesellenprüfung abschloss, studierte er bei HAP Grieshaber an der Karlsruher Akademie. Zusammen mit Horst Antes, Hans Baschang, Fritz Genkinger, Dieter Krieg und Heinz Schanz, die ebenfalls in der Klasse Grieshaber arbeiteten, zählt Walter Stöhrer zu den Vertretern der Neuen Figuration. Mit ihren das Figurale betonenden Arbeiten stellten sich die Grieshaber-Schüler gegen die in den fünfziger Jahren vorherrschende Abstraktion und gegen eine nicht durch die Moderne gegangene Gegenständlichkeit in der Malerei, wobei jeder der Künstler  ausgehend von der gemeinsamen Idee, Figuration neu zu formieren, seinen eigenen individuellen Weg suchte.

Zum Wintersemester 1959 / 1960 brach Walter Stöhrer sein Studium ab und zog nach West-Berlin. Dort befasste er sich zunächst intensiv mit der Radierung, die  ihm als sperrige künstlerische Technik Widerstand bot und gleichzeitig Linearität und Gestus erlaubte. Er entwickelte eine Gegenposition zu der wenig sinnlichen Bildarchitektur in den Holzschnitten seines Lehrers. Nachdem er sich bereits in Karlsruhe mit den Arbeiten von Franz Kline und Jack Tworkow auseinandergesetzt hatte, wurden für sein Schaffen  die „psychoanalytic drawings“ von Jackson Pollock, die Figurationen Asger Jorns und Pierre Alechinskys, die chiffreartigen Bildzeichen der Art Brut und die Verfahren des Surrealismus von Wichtigkeit, was in der Folgezeit zu einem freien Zusammenspiel von Zeichnung, Schrift und Malerei führte. „Dabei zielte Walter Stöhrer zeitlebens […]  auf den Facetten- Reichtum des menschlichen Daseins, insbesondere das Mit- und Gegeneinander der menschlichen Geschlechter fokussierend.." (Annette Meyer zu Eissen, Radieren. In: Radierarbeit, Berlin 2008, S. 44). Einer eindeutigen Zuordnung zu einem künstlerischen Stil entzieht sich sein Werk. Seine Arbeiten, die  in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligen zu sehen waren, wurden mit wichtigen deutschen Kunstpreisen ausgezeichnet. So erhielt er bereits 1962 für die Bilder „Kopf Maiba“, mit den über Farbbahnen und Farbflächen gespurte und in sie geritzte chiffrenartigen und fragmentierten Figurationen im Württembergischen Kunstverein Stuttgart den Kunstpreis der Jugend gemeinsam mit Raimund Girke. Sieben Jahre später, im April 1969 arbeitete er im gleichen Haus erstmals mehrere Tage in der Öffentlichkeit, was er in Form von Malprozessen in den folgenden Jahren  fortsetzte. Die nicht zerstreute Energetik und das „Furioso“ seiner Malerei, die in der komplexen Spannung zwischen Kalkül und Spontaneität stehen,  die Gleichzeitigkeit von „lineare[r] Härte“, von Chiffren und Farbströmen, die sich durchdringen und überlagern, „das Auftauchen und Zerbrechen von Figuration, die tiefe Resonanz sprachlicher und  literarischer Ebenen“ in seinem Werk, „das selbstgewisse Ungestüm und ihre zerstörende Schönheit haben Stöhrer zu einer singulären Figur in der deutschen Malerei der letzten dreißig Jahre gemacht“, (Eckhard Schneider, Vorwort. In: Katalog, Walter Stöhrer, Kunstverein Hannover 1998, S. 8). 

Gleichrangig neben dem malerischen Werk steht das zwischen 1960 und 1999 geschaffene knapp 1000 Blätter umfassende Radierwerk.

Zu Weggefährten  in seinem Schaffen wählte sich Stöhrer - der als rebellischer Einzelgänger gilt – überwiegend Texte von Schriftstellern und Dichtern, deren in Sprache gefasster Lebenswelt und Haltung, deren ästhetischem Programm er sich wesensverwandt fühlte.

Im November 1999 gründete Walter Stöhrer gemeinsam mit Hanne Forstbauer die Walter Stöhrer-Stiftung.

Walter Stöhrer, der seit 1986 an der Hochschule der Künste ein Lehramt für freie Malerei hatte, verstarb am 10. April 2000 in Scholderup. Er hinterließ ein vielfältiges Werk, das Malerei auf Leinwand und Papier sowie Zeichnungen, Tuschen und Radierungen aus vier Jahrzehnten umfasst.

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Portraitfoto