Biographie (Tabellarisch)

1937
Walter Stöhrer wird als erstes von drei Kindern in Stuttgart geboren. Seine Eltern sind Curt Walter Stöhrer und Hilde Stöhrer, geb. Reimann.

1943
Stöhrer wird im Oberen Gaistal bei Bad Herrenalb eingeschult.

1953
Nach kriegsbedingtem häufigem Wohnungs-und Schulwechsel beginnt Stöhrer eine dreijährige Lehre als Gebrauchsgrafiker bei der Firma Werbe-Blum in Karlsruhe. Nebenbei arbeitet er als Pressezeichner für die Badischen Neuesten Nachrichten. Nach Ende der Lehre Aufenthalt in Paris.

1956
Stöhrer beginnt sein Studium an der Kunstakademie Karlsruhe. Nach dem
Grundstudium wechselt er in die Klasse des Holzschneiders HAP Grieshaber.

1959
Ende des Jahres bricht er sein Studium ab und zieht nach Berlin (West)

1960
Erste Werkstatt in Berlin gemeinsam mit dem Bildhauer Rolf Szymanski in der 
Neuen Hochstraße im Wedding.

1961
Aufenthalt in Südfrankreich gemeinsam mit dem Filmregisseur Michael Klier.

1962
Im Frühjahr zieht Stöhrer in ein ehemaliges Kolonialwarengeschäft „Zum Heringsbändiger“ in der Schulzendorferstraße, ebenfalls im Berliner Stadtbezirk Wedding. Von Karl Ströher erhält er ein Materialstipendium. Die Folge der Maiba-Bilder entsteht, die in der Düsseldorfer Galerie Gunar ausgestellt werden. Gemeinsam mit    Raimund Girke erhält er im Württembergischen Kunstverein Stuttgart den  „Deutschen  Kunstpreis der Jugend“.

1963
Vertrag  mit der Galerie Schüler in Berlin. Geburt der Tochter Olga Therese von Gleichen Rußwurm. Folge von Arbeiten auf Papier und Leinwand zu Texten von Bruno Schulz.

1964
Eine über vierjährige intensive Arbeit von 400 Kaltnadelradierungen beendet Stöhrer mit Radierungen zur Mappe „Jorge de Lima“. Weiterarbeit an Gemälden auf Leinwand sowie Zeichnungen, Tuschen, Aquarellen und Gouachen. Kritikerpreis der Stadt Berlin

1965
Arbeiten auf  Papier „Trottoirkinder“ und „Mannequins“. Klinikaufenthalt wegen eines körperlichen Zusammenbruchs. Umzug in das Atelier in der Schönleinstraße in Kreuzberg. Preis des Verbandes der deutschen Kritiker. Ständige Weiterarbeit in den nächsten Jahren an großformatigen Bildern auf Leinwand.

1966
Arbeiten auf Papier unter dem Titel „Keep Smiling“. Eheschließung mit der Medizinalassistentin Anna Margarete von Waechter, geb. Powilleit.

1967
Werner Haftmann erwirbt das Gemälde „Nadja“ von 1966 für die Galerie der Moderne der Neuen Nationalgalerie Berlin (West). Die Serie von Arbeiten auf Papier „Halluzinose und Signale“  entsteht. Geburt der Tochter Ania Simone.

1968
Stöhrer übermalt die Schwarz-Weiß Lithographien Arnulf Rainers aus der Mappe „Wahnhall“. Ständige Weiterarbeit

1969
Erste öffentliche Malaktion im Württembergischen Kunstverein „Schlachtet den Vater“. Stöhrer nimmt im Zusammenhang mit der Lektüre von Texten Antonin Artaud`s die Arbeit an Radierungen wieder auf. Bei der manus presse in Stuttgart werden eine Folge von 14 Blättern unter dem Titel „Horror Trip“ sowie die Mappe „Die Nervenwaage“ verlegt.

1970
Folge von Malerei auf Leinwand unter dem Titel „Cut up“. Künstlerische Auseinandersetzung in Radierung und Malerei mit Fotoaufnahmen von Rambow in den Bänden „Doris“ und „Soft Girls“. In den folgenden Jahren bezieht Stöhrer immer wieder vorgefertigtes ästhetisches Material in seine Arbeiten ein. Geburt der Tochter Nanna Petra.

1971
Will-Grohmann-Preis der Akademie der Künste. Berlin. Ehescheidung.

1973
der Cité Internationale des Arts, Paris. Wiederholte Klinikaufenthalte wegen seines schlechten Gesundheitszustandes.

1974
Stöhrer bezieht eine Fabriketage in der Huttenstraße in Berlin-Moabit. Er lernt Christine  Hoffmann kennen, mit der er bis 1978 zusammen lebt. Tantra-Bilder. Intensive  künstlerische Auseinandersetzung mit Texten von Antonin Artaud.

1975
Bei einem längeren Arbeitsaufenthalt auf dem Wasserschloss Oberwerris (bei Münster) entstehen Zeichnungen und Gouachen zu dem Text „Der Kopf des Vitus Bering“ von Konrad Bayer, im Berliner Atelier auch Radierungen und  Arbeiten auf Leinwand. Öffentliche Malaktion im Frankfurter Kunstverein.

1976
Für die Galerien Danckert, Berlin und die Schlosshofgalerie in Kisslegg gestaltet er mit Offset –Lithographien die seine Ausstellung begleitenden Kataloge. Ausstellung mit rund 40 Gemälden der Jahre 1974  bis 1976 in den noch nicht fertig gestellten Räumen der Baustelle  Kurfürstendamm-Karree, die die Galerie Nothelfer bespielt. Der Ausstellungskatalog erscheint als Konzeptheft mit Offset-Lithograhien. Während der Ausstellung findet eine gemeinsame Malaktion mit Dieter Appelt statt. Die Galerie Kurmann- Lutz in Stuttgart verlegt die Mappe „Die Bewegung der Zähne“ mit 15 Radierungen. Förderpreis der Akademie der Künste Berlin in der Sparte Malerei.

1977
Malprozess in der Eberhard-Karls-Universität Tübingen  anlässlich der 500 Jahrfeier

1978
Villa- Romana- Preis mit anschließendem mehrmonatigen Aufenthalt in Florenz. Es entstehen neben den dicht gemalten Bildern auch solche mit flüssigerem Farbauftrag.

1980
Stöhrer bezieht eine Atelierwohnung in der Hagelberger-Straße Berlin- Kreuzberg. Arbeitsaufenthalt in der Villa Romana Florenz.  Es entstehen unter anderem großformatige Malereien auf Containerpappen. Ende des Jahres öffentlicher Malprozess im Forum Kunst Rottweil. Kunstpreis der Böttcherstraße Bremen.

1981
Während eines Arbeitsaufenthaltes in Sinalunga (bei Siena) entstehen Bilder und Arbeiten auf Papier zu Texten von Unica Zürn. Im Berliner Atelier malt er auf großformatigem  Büttenpapier für die Sonderschau der Internationalen Leipziger Buchkunstausstellung „figura 3“. Von 1981 bis 1982 Gastprofessur an der Hochschule der Künste Berlin.

1982
Kunstpreis der Stadt Nordhorn und öffentlicher Malprozeß zu Texten von Empedokles  „Über das vereinzelte Herauswachsen der Körperteile und ihre mannigfachen Zusammensetzungen“ Erneuter Arbeitsaufenthalt in Sinalunga.

1983
Malprozess zu Frank O’Hara in einer leerstehenden Fabrikhalle in Kisslegg. Kauf seines ersten Rennrades.

1984
Wahl zum Mitglied in der Akademie der Künste Berlin. Tod von Anna Margarete Stöhrer. Aufenthalt in New York.

1986
Professur an der Hochschule der Künste Berlin. Wiederaufnahme der Arbeit an Radierungen. Es werden verlegt „Lunch Poems“ (Edition manus presse) und  das Buch“Empedokles“ (Verlag Brinkmann und Bose). Im Sommer arbeitet er in der Galerie Mochental, in der Nähe von Zwiefalten, auf großformatigen Büttenpapier. Mit der Galerie Wentzel, Köln, schließt er einen  Galerievertrag und erwirbt einen ehemaligen Landgasthof in Scholderup (Schleswig Holstein) als Atelier und Wohnung.

1988
Die Folge von Malerei auf Leinwand und  Papier zu „Nadja“ entsteht.

1989
Im Verlag Langner & Bose erscheint „Les Yeux à deux“, ein Buch mit Radierungen von Stöhrer und dem Text von Unica Zürn.

1990
Die Mappe „Les Grenades“ mit neun Radierungen erscheint in der manus presse. In diesem und in den folgenden Jahren halten sich  Studierende aus der Klasse Stöhrer während der Sommermonate in Scholderup zum Arbeiten auf.

1991
Beginn der Übermalungen von Radierungen, die auf großformatige Bögen Büttenpapier gedruckt sind.

1994
Klinikaufenthalt wegen einer Speiseröhrenentzündung.

1995
Arbeitsaufenthalt bei Werner Krüger und Edmund Schmidt auf der Finca “Fonte des Mores“ auf Mallorca. Aquarelle und Tuschen zu Texten von Ramon Llull. Molfenter-Preis der Stadt Stuttgart verbunden mit einer Ausstellung in der Galerie der Stadt Stuttgart.

1996
Eine  Folge von Arbeiten auf Leinwand und Papier sowie Radierungen zu einem Text von G.M. Hopkins „Noch Nicht“ entstehen in diesem und im folgenden Jahr. Die Radierungen druckt Norbert Weber von der Galerie Nemo in Eckernförde, von der auch die Mappe herausgegeben wird.

1998
Eine Folge von 42 Arbeiten auf Papier zu Texten von Adonis unter dem Titel „Der Zauberer des Staubs“ sind das Ergebnis eines erneuten Aufenthaltes bei Campos auf Mallorca.

1999
Jerg – Ratgeb- Preis der Stadt Reutlingen. Arbeit an Monotypien gemeinsam mit dem Drucker Norbert Weber in seiner Druckwerkstatt in der Galerie Nemo in Eckernförde. Eheschließung mit Hanne Forstbauer, mit der er seit 1986 lebt. Es wird ein nicht operabler Bronchialtumor diagnostiziert. Gründung der gemeinnützigen treuhänderischen Walter Stöhrer- Stiftung.

2000
Dr. Dietrich- Schult- Preis der Schleswig Holsteinischen Wirtschaft. Am 10. April stirbt Walter Stöhrer in Scholderup.

Eine ausführliche Biographie findet sich in:
Walter Stöhrer. Werkverzeichnis Malerei, Berlin 2008